Torhaus
Etwa bei zwei Fünftel der östlichen Verteidigungsanlage befindet sich das Torhaus mit einem Grundriss von ca. 4,70*6,50 m. Es steht schräg in den Burggraben hinein und dementsprechend ist auch die Brücke schräg angelegt. Das Torweggeschoß ist aus Bruchsteinen gemauert und endet im ersten Stock mit einem Sockel von ca. 1,50 m über einem Rundbogenfries. Da der Bruchsteinsockel im ersten Stock von der Westseite her nicht vorhanden ist, schließen Bauhistoriker, dass der ursprüngliche Torturm von dieser Seite her offen war. Auf dem gemauerten Sockel sitzen heute zwei zusätzliche, vermutlich spätere Fachwerkgeschosse, welche von außen über eine Treppe zugänglich. Das Torhaus wurde 2004 letztmalig renoviert und beherbergt heute eine großzügige Gästewohnung der Residenz Schloß Stetten, sowie eine Uhr mit Glockenspiel zum Ein- und Ausleuten von Gottesdiensten in der Kapelle.
Schloßkapelle
Die Schloßkapelle in ihrer heutigen Form wurde im Jahr 1677 unter Wiederverwendung von Untergeschoß und Chorturm des Vorgängerbaus gebaut, die ebenfalls verwendete alte Eingangstür trägt die Jahreszahl 1436. Der zweistöckige Bau mit Schiff und Empore ist mit Sichtfachwerk gebaut, die Empore über eine Außentreppe erreichbar. Die Nordseite der Empore entstand später mit einem erkerartigen Vorbau für ein Orgelpositiv aus dem 18. Jahrhundert, welches noch bespielbar vorhanden ist. Die Kapelle ist ein protestantischer Predigraum mit Chor und Kanzel kurz vor dem Chorbogen. So ist gesichert, dass von jedem Platz der Kapelle aus Kanzel und Altar sichtbar sind. Die Empore ist bemalt mit Wappen von benachbarten und verwandten reichsritterschaftlichen Familien. Die Kanzel und das Altarkruzifix sind Arbeiten von Johann Jakob Sommer (1645-1715) aus der bekannten Künzelsauer Künstlerfamilie. Die Kanzel mit gewundenen Säulen zeigt die vier Evangelisten in Bogennischen, der Schalldeckel den Hl. Geist als Taube mit Strahlenkranz. Die Kapelle wird heute im Rahmen der Familie und der Residenz Schloß Stetten genutzt. Hier finden regelmäßig ökumenische Wochenendsandachten und Gottesdienste statt.
Innere Burg
Die innere Burg wurde um 1089 zur Zeit von Kaiser Friedrich Barbarossa gebaut. Sie besteht aus dem Bergfried, der Schildmauer und der die drei weiteren Seiten des Burgplatzes einschließenden Ringmauer. Dadurch besteht ein trapezförmiger Grundriss, welcher sich im Westen zum Tal hin aufgrund der geographischen Vorrausetzungen der Bergzunge verschmälert.
Der Bergfried misst 7,11 m im Quadrat und hat im unteren Teil eine Mauerstärke von 2,35 m und hat eine gemauerte Höhe von 22,50 m an der Nordwestkante. Die Schwelle seines Hocheingangs an der Westseite liegt bei 11,22 m über dem heutigen Erdgeschossfußboden. Der Bergfried hatte früher ein weiteres Fachwerkstockwerk mit einem Walmdach, anstatt des heutigen Zeltdaches, darüber hinaus ist anzunehmen, dass der Turm im Mittelalter eine zinnenbewehrte Plattform (eventuell mit Bedachung) hatte.
Die Schildmauer ist an ihrer Außenseite von unten aus größtenteils in Buckelquadern ausgeführt, die Innenseite besteht aus glatten Steinen mit einigen wenigen Buckelsteinen. Sie überragt auf der südlichen Seite das Gebäude an der Ringmauer um eine Geschosshöhe und endet bei 13 m Höhe mit einer Mauerstärke von 2,65 m unter dem später aufgesetzten Wehrgang. Das Tor in der Schildmauer ist 2 m breit und 3,70 m hoch und groß genug um zu zweit in den Hof einreiten zu können. In etwa 5,50 m
Höhe befindet sich ein ca. 0,40*1,20m großer Stein mit zwei Figuren. Links ein schreiender Esel, rechts eine wohl männliche Fratze mit herausgestreckter Zunge. Es gibt verschiedene historische Interpretationen zu diesem Stein, die wahrscheinlichste ist, dass es sich um eine ursprünglich keltische Arbeit – einen Gott mit Tierattribut darstellend – handelt, es könnte aber auch ein im Mittelalter beliebtes Hohnbild für Angreifer der Burg sein. Die Ringmauer um die Burg zeigt an allen Seiten gut gearbeitetes Muschelkalkmauerwerk. Sie verjüngt sich vom Untergeschoss von ca. 1,70 m Stärke auf ca. 0,70-1,00 m im zweiten Obergeschoss und ist je nach Geländeanschluss noch in voller Höhe (14 m) erhalten. Die Burg ist seit mehr als 800 Jahren Sitz der Familie der Freiherrn von Stetten und wird bis heute privat bewohnt.
Äußeres Haus
Der 1715-16 gebaute Barockbau ist auf und an alte Vorbauten angebaut. Das äußere Haus ist ein rechteckiges Gebäude von 15,25 m Breite und 23,44 m Länge. Es hat ein Sockelgeschoß und über einem kräftigen Gesims zwei weitere Stockwerke. Die Ecken des Hauses sind mit korinthischen Pilastern geschmückt, die Stockwerke durch ein flaches waagrechtes Band geteilt. Die Architekturteile sind aus gelbem Sandstein, das Haus aus Bruchstein gemauert und verputzt. Zum Wirtschaftshof hin schmückt das Haus ein Eingangsportal mit Freitreppe mit dem Allianzwappen von Stetten/von Ellrichshausen des Erbauers Johann Albrecht von Stetten´s und seiner Frau Anna Kunigunde. Den Abschluss des Hauses bildet ein klassisches Mansarddach.
Im Sockel befindet sich im Osten ein tonnengewölbter Keller, im Westen drei mit Kreuzgratgewölbe bestückte Wirtschaftsräume mit Fenstern nach Westen. Die beiden oberen Stockwerke haben die gleiche räumliche Aufteilung. Geteilt durch einen 2,40 m breiten Mittelflur befindet sich auf den Etagen jeweils in der Mitte der Westseite ein zweiachsiges zweiläufiges Treppenhaus mit Balustradengeländer. Davor liegen jeweils ein einachsiges und ein zweiachsiges Zimmer, dahinter ein dreiachsiges. Auf der Ostseite liegen drei zweiachsige und ein einachsiges Zimmer. Alle Räume sind mit dem Flur und den benachbarten Räumen verbunden (Enfilade). Die Einteilung im Obergeschoss unterscheidet sich nur dadurch, dass der große Raum neben der Treppe hier unterteilt ist. Die Flure haben Sandsteinfußböden, zweifarbig mit Rosenspitzmuster, die Zimmer teilweise Tafelparkett und einfache Profilstuckdecken. Das Dach ist nicht ausgebaut. Das Äußere Haus ist heute, wie das Schlößchen der Buchenbacher Linie im Besitz eines Familienmitglieds aus Kanada. Es wartet auf eine dringend nötige Sanierung und weitere Verwendung.
Burggraben
